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Pilotenparade

 

 

Verbrennermodell mit alter 27MHz Anlage
Verbrennermodell mit alter 27MHz Anlage
Klicken zum Vergrößern Klaus Kretschmer, Bernd Wilbs, Herbert Fuchs (von links nach rechts)
Klaus Kretschmer, Bernd Wilbs, Herbert Fuchs
(von links nach rechts)

Es war wohl gegen Mitte bis Ende der sechziger Jahre am Rheindamm, in der Nähe des Sportfliegerclub Schwetzingen am Herrenteich bei Ketsch/Hockenheim. Die Modellfliegerei steckte noch in den Kinderschuhen und man flog ausschließlich auf der Frequenz 27MHz. Verschiedene Kanäle, wie sie später in der Modellfliegerei im 35MHz Frequenzband üblich waren, kannte man noch nicht. So kam es, daß immer nur einer ein Modell fliegen konnte und die anderen in der Zeit zum Nichtstun verdammt waren. Ja, sie durften noch nicht einmal ihren Sender einschalten. Das ging natürlich nur so lange gut, wie man sich gegenseitig absprechen konnte. Eben dieses Problem beherrschte auch Ende der Sechziger die Landschaft rund um den Herrenteich. Heinz Geis aus Oberhausen, seines zeichens querschnittsgelähmt im Rollstuhl, war mit einer derjenigen, die immer am Herrenteich zwischen den Hecken wild flogen. Etwas später stießen Herbert Fuchs, Bernd (Fips) Wilbs, Manfred Groschek und weitere mit dazu.

Manfred Groschek
Manfred Groschek

Wild fliegen war in der damaligen Zeit übrigens nichts verwerfliches, sondern oft die einzige Möglichkeit überhaupt Modelle fliegen zu können. Modellflugvereine in der Art und Fülle wie wir sie heute kennen, waren damals rar gesät bis gar nicht vorhanden.

Auch die Vielfalt an Fernsteuersendern war zu jener Zeit schlicht noch nicht gegeben. So konnte Dieter Münich aus Schatthausen den Anwesenden auf den Herrenteich einmal zeigen, wie eine richtige Fernsteueranlage aussieht. Dieter hatte eine Elektrofirma und baute amerikanische Fernsteueranlagen nach, die den damaligen, hierzulande gängigen 27MHz Anlagen überlegen waren. Zum Beweis schraubte er im Flug die Antenne am Sender ab, ohne daß das Modell deswegen abstürzte. Er pinkelte sogar in seinen Sender, schüttelte ihn wieder trocken und flog danach problemlos weiter. Herbert Fuchs war so beeindruckt davon, daß er sich auch so einen Sender von ihm bauen ließ. Herbert stand immer bei ihm auf der Matte, wenn sein Sender zicken machte. So kam es, daß Herbert wieder wegen des Sender zu Dieter fuhr, weil irgendwas nicht mehr richtig funktionierte. Dieter überprüfte den Sender, konnte jedoch keinen Fehler finden und sagte, der Sender wäre in Ordnung und funktioniere einwandfrei. Da nahm Herbert kurzerhand den Sender, warf ihn aus dem Fenster in eine Güllegrube und sagte, wenn er jetzt noch einwandfrei funktioniere, glaube er es ihm. Dieter reinigte den Sender wieder mit Pinsel und Druckluft, nachdem er ihn aus der Güllegrube geborgen hatte und stellte dabei fest, daß die Akkuzelle zusammen gebrochen war. Mit einem neuen Akku funktionierte der Sender dann wieder, was er auch gleich hinter dem Haus mit einem Ugly Stick unter Beweis stellte. Danach mußte Dieter jede Woche einen neuen Sender für Herbert bauen, weil dieser seine Flieger immer mit Sender verkauft hatte, womit beide von den Nachbausendern profitierten.

Herbert Fuchs
Herbert Fuchs

Die Problematik der fehlenden Kanäle blieb jedoch und man mußte weiterhin immer abwechselnd fliegen, wollte man keine Abstürze riskieren. Eines Tages hatte Herbert Fuchs gerade sein Flugmodell gelandet und zum stehen gebracht, als dieses wieder, ohne zu tun von Herbert, mit Vollgas abhob und in einen Baum krachte. Die damals verwendeten Bellamatics Rudermaschinen zuckten nach Bergung des Modells wild umher, womit klar war, es gab in der Umgebung wohl doch noch mehr Leute die dem gleichen Hobby frönten und sich somit gegenseitig störten. Bernd Wilbs flog zu der Zeit ein Delta, daß er immer vom erhöhten Rheindamm aus startete, aber auch er hatte mit seinem Robbe Sender immer wieder mit Störungen zu kämpfen.

1. Embelm der "Abteilung Modellbau"
1. Embelm der
"Abteilung Modellbau"

Es war klar, so kann das nicht weiter gehen. Man sah sich nach einem eigenen Fluggelände um, was sich jedoch als schwierig erwies. So gliederte man sich bei den Segelfliegern in Schwetzingen als "Abteilung Modellbau" an und hatte fortan einen zentralen Flugplatz zum Modellfliegen. Einen Sonntag im Jahr konnten die Modellflieger auf dem Herrenteich auch einen Modellflugtag durchführen, welcher damals stets gut besucht war. 1977 hatte der Dachverband AeroClub die Idee, alle Modellflugvereine zur Gemeinnützigkeit zu bewegen, was nachhaltige Änderungen mit sich gebracht hätte für den ganzen Schwetzinger Sportfliegerverein. Man entschloss sich den Modellsportverein Hockenheim, kurz MSVH, zu gründen, verließ als diesen den AeroClub und wechselte stattdessen zum DMFV. Die Geburtsstunde des MSVH.

Stauwehr
Das alte Stauwehr mit der Hütte dahinter

Man fand ein Schilfgelände zum Pachten, welches wir heute noch als Fluggelände des MSVH kennen. Herbert Fuchs arbeitete zu der Zeit bei John Deere und hatte so Zugriff auf Baumaschinen, mit welchen man das Gelände leichter herrichten konnte. Das Gelände wurde eingeebnet und von Herbert Fuchs in einer Nacht- und Nebelaktion ein Entwässerungsgraben mit einer Planierraupe kurzerhand zugeschüttet, der damals rings um das Gelände herum führte. So wurde später auch ein kleines Stauwehr am Ostende des Platzes überflüssig, neben das die Vereinsmitglieder eine kleine ca. 2x2m große Hütte gestellt hatten, in welcher der Rasenmäher untergestellt wurde.

Der Flugplatz mit der Garage
Der Flugplatz mit der Garage

Der Boden um das damalige Fluggelände herum wurde von den Bauern nach und nach zunächst mit Wiesen, später mit Äckern erschlossen. So gab es damals auch die heute nur 600m entfernte A61 noch nicht. Am 06.05.81 wurde die kleine Hütte am Platzende abgerissen und stattdessen eine Garage am Rand in die Platzmitte gestellt, die heute noch steht. Das Datum vom Bau der Garage wurde im Beton des Fundamentes dokumentiert. Die Garage wurde später noch überdacht, mit einer Verlängerung als Unterstand auf einer Seite. Die Überdachung wurde später teilweise durch eine Hütte ersetzt, so daß der Verein nun neben einer Garage für die Gerätschaften auf der einen Seite, einer kleinen Überdachung auf der anderen Seite, nun auch eine kleine Vereinshütte dazwischen hatte, in der man sich zum gemütlichen beisammen sein treffen

Alter Hubschrauber
Einer der ersten Modellhubschrauber

konnte. Richtig gemütlich wurde die Vereinshütte aber erst Anfang des Jahres 2000, als Siegfried Perner mit seinem Sohn Martin zusammen die Hütte ausbauten und in den heutigen Zustand versetzten.

Ein historischer Baum steht heute noch neben der Überdachung. Ein Nußbaum, der von Bernd Wilbs damals auf dem Platz gepflanzt wurde und somit fast so alt wie unser Fluggelände ist. Die Stadt Hockenheim pflanzte später weitere Bäume, welche heute die Zaunreihe markieren.

Ein wichtiger Bestandteil der damaligen Abteilung Modellbau im Schwetzinger Sportfliegerverein, war das nordbadische Vergleichsfliegen. Die teilnehmenden Vereine, Weinheim, Heidelberg, Hockenheim, St. Leon Rot, Oberhausen und Mannheim, traten in drei Kunstflugkategorien (RC1A, RC1B, RC1C) und zwei Segelflugkategorien (S1A, S1B) gegeneinander an. Werner Raith war der Organisator des Vergleichsfliegens, welches drei mal im Jahr an immer wechselnden Plätzen der teilnehmenden Vereine statt fand. Drei Punkterichter beurteilten jeweils die drei Durchgänge der Piloten, wobei man den schlechtesten Durchgang streichen konnte. Diverse Pokale und Urkunden erwarteten die Sieger der jeweiligen Kategorien.

Start- und Landebahn
Start- und Landebahn

Am 10.09.11 wurde der Modellflugplatz mit einer 70m langen und 6m breiten Start- und Landebahn ausgestattet. Die Bahn besteht aus einem Trocknungsflies, welches uns die Papierfabrik SAPI aus Stockstadt kostenlos überlassen hat. Das Flies ist umweltverträglich und jederzeit rückbaubar. Jetzt können auch endlich die immer mehr in Mode kommenden Elektroflugzeuge mit kleineren Fahrwerken problemlos Starten und Landen, ohne daß das Fahrwerk Schaden nimmt.